35 Jahre Tschernobyl (Teil 1) – Wie die diktatorische SED, mit Hilfe von Stasi und Denunzianten in der DDR die verheerenden Folgen verschwiegen

Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl ereignete sich am 26. April 1986.

Es gab zwei Explosionen im Reaktor-Block 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl.

In direkter Nachbarschaft zur ukrainischen Stadt Prypjat.


Es war der bisher schwersten Unfall in der Geschichte der Kernenergie.

Der Unfall wurde in die Kategorie 7 – „katastrophaler Unfall“ (INES 7) eingeordnet.

Zum Verständnis, die internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse hat nur sieben Stufen.

Die Explosionen schleuderten tonnenweise radioaktives Material in unsere Atmosphäre.

Weite Teile Russlands, Weißrusslands und der Ukraine wurden verseucht.

Insgesamt wurden im Mai 1986 rund 116.000 Menschen aus 188 Siedlungen in der 30 Kilometer langen Sperrzone um den Bahnhof umgesiedelt.

 


Keine Gefahr für die DDR?

Doch was man damals in der DDR und dem gesamten kommunistischen Ostblock verschwiegen hat:

Die radioaktive Wolke zog über Mitteleuropa, bis hin zum Nordkap und richtete auch hier massive Schäden an.

Warum es sein kann, dass wir heute vermehrte Krebsraten haben

Wahrscheinlich ist, dass auch die gestiegenen Krebstaten, der letzten Jahrzehnte in fast allen Regionen, ist z.T.  auf diese Politik des Schweigens und des „Zum Schweigen Bringens“ von damals darauf zurückzuführen.

Was viele, gerade auch hier in Ostdeutschland, auch meinen damaligen „Berzirk Cottbus“ betreffend nicht wissen, ist die Tatsache, dass es gerade in den Nahrungsmitteln, insbesondere Milch, Pilzen und Gartengenüse massive Strahlenwerte gegeben hat.

Trotzdem hat man weitergemacht, wie bisher und unserer Bevölkerung die verseuchten Nahrungsmittel, die der Westen nun nicht mehr abnahm WISSENTLICH als unbedenklich „verkauft“.


Die Aktuelle Kamera, also das Pendant zur heutigen Tagesschau berichtete erst am 28.04.1986 darüber, allerdings stellte man es als völlig harmlos dar:

Quelle: mdr/Archiv


Tschernobyl wurde zur geheimen Staatsangelegenheit erklärt

Die Abteilung „Agitation und
Propaganda“ der SED war für die „richtigen“ Informationen, die man den DDR Bürgern gab, verantwortlich.

Allerdings erfuhr selbst die
der SED-Führung erst aus einer Fußnotenmeldung der Russischen „TASS“, zwei Tage danach von dem Unglück.

Daraufhin wurde diese umgehend zu einer Staatsangelegenheit erklärt.

Oberstes Ziel:
Bevölkerung beruhigen und natürlich die Verharmlosung des Unglücks.


Verseuchte Milch in Schulen und dem Einzelhandel

Damals gab es, und so kenne auch ich es noch, denn 1986 war ich gerade 17 Jahre alt, stets in den Schulen kostenlose oder sehr preiswerte Milch für alle Schüler.

 

In den Tagen, Ende April 1986 aber war diese Milch teils mit hohen Strahlenwerten belastet.


Um jeden Preis geheim halten

Doch dies dürfte nicht publik gemacht werden, da es die sozialistische Moral untergraben hätte, wenn man den „Großen Bruder – Sowietunion“ damit in Verbindung gebracht hätte.

Offiziell nämlich war dieser Reaktorunfall nicht so schlimm, wie der „Westen“ es darstellte und nach Angaben der Sowietunion gab es „nur 2 Tote“.

 

Alles andere wäre kapitalistische Feindpropaganda gewesen.


Stasi und Denunzianten in der Bevölkerung

Wie perfide und vehement die SED Führung, mit Hilfe der Stasi und Denuntiaten im Volk jeden verfolgte, ausspionierte und „auf Linie brachte“, der an der Staats-Berichterstattung zu Tschernobyl zweifelte, dazu finden sich in den Stasiunterlagenbehörde genügend Beweise.

Im Archiv der Stasiunterlagenbehörde auch geheime Berichte über hohe Strahlenbelastungen

Auch Dokumente, die eindeutig belegen, dass die Staatsführung der DDR genau wusste, wie hoch und gefährlich die Strahlenbelastungen der Lebensmittel damals waren.

Ich habe recherchiert und es liest sich z.T., wie ein Horrorszenario, wie Stasi und Co. gegen jede Art von Aufklärung vorgegangen sind.


02 Bericht zur radioaktiven Strahlenbelastung in der DDR nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl
Bericht der SAAS der DDR „Strahlensituation auf dem Territorium der DDR infolge der Havarie im KKW Tschernobyl“ Quelle: http://www.stasi-mediathek.de
Folgerung des Berichtes:

„Obwohl die radioaktive Kontamination der Milch noch weiter ansteigt, ergibt sich aus der gegenwärtigen Strahlungslage aus fachlicher Sicht noch nicht zwingend die Auslösung in der Öffentlichkeit durchzusetzender Maßnahmen.“

Nach Ansicht dieser so genannten „Experten“ war demnach KEIN Handeln erforderlich.

Im selben Bericht wurde, auf der darauffolgenden Seite, eine z.T. sehr hohe Belastung der Milch mit radioaktivem Jod 131 in verschiedenen Bezirken der DDR nachgewiesen.

Eben jener Milch, die auch die Schüler in den Schulen zu sich nahmen.

Im Bezirk Cottbus, wozu auch mein Heimatkreis, heute Elbe-Elster zählte wurde in der Milch ein Wert von 995 Bq/l (Becquerel pro Liter) gemessen.

Der Grenzwert für die radioaktive Belastung von Milch für Kleinkinder wurde dabei um 498 % überschritten.

498 Prozent über dem Grenzwert…?

Ich musste es selbst mehrfach prüfen, ob solch ein Wert stimmen konnte.

Er konnte

Denn in einer Broschüre der Friedrich-Ebert-Stiftung Sachsen Anhalt wurde ich fündig:(Zitat: „Tschernobyl und die DDR: Fakten und Verschleierungen…„)

„Es wurde im NeuenDeutschland verschwiegen, dass die Werte in den beiden Tagen davor rund 1.000-mal höher waren. Es wurde auch später nie ergänzt, dass sie nach dem 02.05. nochmals um etwa den Faktor 100 anstiegen. Was die Bürger nicht erfuhren, wusste die Regierung aber ganz genau.

Prof. Sitzlack, der etwa den Rang eines Staatssekretärs hatte, war direkt dem Ministerrat der DDR unterstellt.

Sitzlack schickte über längere Zeit täglich Berichte über die Strahlenlage an den Vorsitzenden des Ministerrates – Willi Stoph.

Diese Berichte enthielten konkrete Messwerte und kurzgefasste Bewertungen.

Im Bericht Nr. 8 vom 04.05.86 findet man zur Kontamination der Milch:

„Die höchsten Werte weist die Milch in den östlichen Kreisen des Bezirkes Cottbus mit 50 Prozent bis 700 Prozent des Grenzwertes auf.“


Der Staat, der sich dem Wohle des Volkes verschrieben hatte, wurde damals zum eigenen, größten Feind des selbigen.

Wie perfide man dabei vorgegangen ist, um zu verhindern, dass die Wahrheit ans Licht kommt und damit der „Große Bruder“ in ein schlechtes Licht gerückt wurde, beweisen weitere Dokumente aus der Stasiunterlagenbehörde.

Zum Beispiel der detailierte Bericht eines „SED Rentners“, der Leute ausspionierte und Berichte an die Kiminalpolizei Suhl weitergab, die dann direkt an das MfS gingen, wo man sicherlich sehr schnell reagierte und wie man heute weiß, die entsprechenden Menschen unter Druck setzte.

Aber auch, wie die WHO Zahlen und Fakten vor der Öffentlichkeit auch heute noch vertuscht und sich dabei mit Schuld beläd.

Dies lesen Sie im 2. Teil meines Blogartikels: „(2) 35 Jahre Tschernobyl (Teil 2) – Wie die diktatorische SED, mit Hilfe von Stasi und Denunzianten in der DDR die verheerenden Folgen verschwiegen“

Euer Matze Lentzsch

2 Kommentare

  1. Gute Recherche zu einem Top Thema. Sehr informativ rübergebracht. Kompliment.
    Ein ähnlich gutes Thema ist der Uranabbau zu DDR Zeiten. Verharmlost und als „Wismutförderung“ getarnt. Vielleicht darüber mal einen Beitrag.
    Weiter so.

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen Dank Jörg. Das wäre natürlich auch noch ein interessantes Thema. Da bräuchte ich Zeitzeugen, die davon berichten können. Ich weiß von meinem Nachb, dass er auch bei der Wismut war und er ist dadurch erblindet. VG VG Matze

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